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S.D.T.O. 207 a.L.

 

Die Offenbarung

von

J・E・R・I・C・H・O

 

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LAMBDA

KAPPA

ALPHA

IOTA

THETA

ETA

ZETA

CHI

EPSILON

DELTA

XI

NY

BETA

GAMMA

Dracônis


Χ

L. Chi Rho! wer ward die Kornschnitterin für die Matze ohnegleichen, die den teuern Kreuzesschatten tilgte. Tau Rho! Du hast Deinen eisernen Pylon gestählt, indem Du den falschen Phosphor banntest. Aufgeschlagen flattern die Torflügel, und fern dem Gelege schnäbelt die falkenköpfige Echse mit der Brust einer doppelzüngigen Mutter. Seit Du von Händen der Sonnenscheibe keine Liebe mehr kostetest, riß der Strom, und niemand gewinnt jetzt noch irgendein Gut. Die Zeit und der Tod und die Sorge nagen zu dritt an Wurzeln Deiner Zeder; längst bist Du in überreinstem Wesen unrührbar geworden. Den armen Menschen zugewandt zur Rettung. Dem eifernden Stürmer ein Dorn in der leeren Augenhöhle.

 

LI. Den ›Vater der Lüge‹ nannte Er jenen Versucher an Deinem höchst sinnlichen Jawort. Azuren klar erhielt es sich an den warmblütigen Meerbusen und Engen der Gottesanbeterin, überdauerte bis hierher die zerschlissenen Teppiche der falschen Siegburger. Jede Vernichtung und jeder Verrat endet immer mit Seiner fortwährenden Wiedererrichtung in Deiner Auster; schon spitzen die jungen Fischerstöchter die langen Rechen!

Siehe den All-Leib der Vollendung, wie glänzend Er Deine Riffe schleift, die vergeß’nen ewigen Burgen unter dem Dreizack! Unser sonnigliches Riez, o allgeliebte Hierodule, Haupt und Gemüt des fünffach verwundeten Gottes hat Dein Seestern vor den Erzfeinden des Quinotaurus verborgen. Du bist es unerbittlich, die das weinselig Hirschherz ernüchtert in der Todessekunde des trügerischen Pfeils. Silbern Sebastian lächelt ob Dir Mutter Gewissen.

 


LII. Herab vom Glasgebirg’ bahnt sich die Schwemme der undankbar gequetschten Gestöre; sie fiebert nach Arkels Schwänen und Binsen. Beherrscht dagegen windet sich der Kende um unser’n schwarzen Wappengreif, der sein eigen Herze gerissen hat und todrührsam dem Apfelhügel beigesellt. Dieweil Rath mit der Pelzkappe sich in die Grabkammer einschließen läßt, steigt schon die blutjunge Wolfssonne die Bockshörner empor.

Morgen werden abermals Bärengebor’ne die Wanderpriester sein und ihnen die Jagdpfade der Felshalden mitgegeben. Nichtsdestominder lassen die Frevler einfach nicht ab, stürzendes Wasser für steigendes zu erklären. Allein nichts an wundersamer Mär kann je so groß werden, daß der Salm von Altena am Ister laichen würde. Dazu jede lindbesaitet’ Schuppe und jede Schindel spiegelt immerdar den Drachenkiefer.

 

LIII. Holzauge durchsticht die Rinde des untoten Weltenbaumes. Holzauge schaut durch hohlen Markknochen bis in die allerfernsten Weiten. Jeder fennische Tannwipfel, der zum Alborz zu weisen geeidt, fest wacht wie Domna über den lehenlosen Hohen Feuerstein.

Die Heidin saumselig den Mutterboden krallt aus Moosen und Moor. Wohingegen die Wüstenväter nach einem Hauch von Naß sieben. Wohingegen in der Krönungsstadt der vierschrötige Bischof die Platonische Wende ersäuft hat und ingleichen die Altjahrsnacht verschlafen wird. Da lassen die Mistelhüter auch die Traumpilze an Land kommen.

 


LIV. Eine unsichtbare Naht ist er, dieser hindenrote Fellsaum uns’rer beider Nachtdecken. Ein dankbarer Saum bis anhin, leitet unser beider räumiges Erbeben am Paß zum Vitriol: Alan! ›mit dem alleinigen Gott‹, wie Martin mit dem Bettelmann.

Zu schwer vor Kummer über dies gemarterte Land versinkt in Frost der Bär, und tauscht die Ährenjungfrau behänd den zerschlissenen Flaum gegen Bast von der Palme. Eisenstarr branden all die Ritterscharen an den Klippen von Tehom. Zuletzt wir wringen Quecksilber aus dem verklärten Lumpen über Tehom.

Eine unsichtbare Naht führt zu dem Axensteine: ›Illum muß gemehrt werden, wir aber schwinden.‹

 

LV. Hermes Föhn von der Achse wehe die schwarzen Schneeflocken heran, solle jetzt nach neunzehnhundertvierundsiebzig Jahren versuchen auf diesem verrottenden Tannenstumpf hockend, das verworfene Lied anzuleiern – ›FIDE ME!‹ –; kläglich gekrümmt beginnt er zu singen:

»Lohest treu vor Dämmerroth,・wie wir schau’n Dich ewig Brot;・seh’n itzt zum kalt Eiseswinter geh’n den Tod.・So die dunkeln Gräte verglühen・und der Halden Nibel ziehen,・unser Raunen ahnt den Schlag;・unser Herz zorf ’ unverzagt・Seiner hellen ehern Art:・Gottes Stein, dem Sohn, noch heil! beim Hard.« - »Schnee’gen Bühl sie linde streicht,・Thau und Moos schön Dir gereicht,・hier die Jungfrau Ähre sich hat lieb erweicht.・Da an jenem Freiungstage・Rosenblüten zieren all’ Hage,・unser Wild die Quelle schmeckt,・Hirzensprung den Tann erweckt.・Weibes Hüld im Grün allein:・Bienenkorb vom hohen Alten Stein.«

 


LVI. »Engel weihen neues Glück,・bringen das Allod zurück:・Seine Schale, die verloren je geglaubt.・Dann die gläsern Alpenstaufe・warten ihrer Sternentaufe.・Hotzenwälder fiedeln Wem?!・Eidgenossen, hürnet Dem・Berg im hehren Riesenland,・Uns’rer Wacht im sieghaft Mutterland!« - »Ehe summt der Morgenherd –・nun die Noth fast ist gezehrt –,・scheint ein Antlitz zorchtel, welches immer währt.・Wenn sie senkt ihr Korn und Hälme・auf der Häupter Häuser und Wälme,・Köhlermägde trällern laut:・leiten eh die Schäppelbraut!・rühren schwarzen Kleidessaum,・an den selig trauten Künnebaum.«

So unser Fidelis schmetterte alsdann zur Siegwarte hinan!

 

 

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Ε

LVII. Frost heißt der nackte Held, welcher nachts die Wüstenkrume kraut und recht ihr entzündlich Odium, bis daß der Wölfin Geheul liegt wieder blank. Dann in der Mondhöhle, wenn sie ihre Jungen säugt, sind auch die wissenden Engel von der trübesten Unwahrheit entbunden.

Gekommen nach Jericho war der Heliand –, abzuzirkeln die Brache vom Mehltau eurer öden Lebensbangnis. Schluß ist! mit der dürftigen Obhut über kümmerliche Jahrzigtausende hinweg; an den Vier Quellen seines zweiten Kreuzes hat dieser Gotthard die Herde auf Nimmerwiedersehen zerrupft.
Was unstreitig verwertbar geblieben für die Sandgeister, ist der wärmende Wedel der Palme unter der klirrenden Düsternis Samaels. Was der Rex Deus in diese allerhäßlichste Unzeit einträufelt, ist sein unerforschlicher Salbduft; eine unsterbliche Gabe im Stand der Gnade, ein klarstes Sein ohne jegliches Nichtsein. Der verirrte Schwan auf Schwingen von Boreas!

 

LVIII. ›Isäukko ylimmäinen,・poika korkein kalevan!‹ – O Vater Quell, o Grotte Mutter, wie rasend saht Ihr durch Eure bedeckten Lider Ikarus fallen mit seinen wahllosen Federn! Du überreicher Funkenwirbel, was wandest dich schneidig als Wirtel um den Schaft der allsteten Lapissäule! – ›Jätin kehrä kipinöivä,・pyhän silmä näkevä!‹ - ›Isäukko ylimmäinen,・iske sauval oikeuden・uuro kannel ikuisuuden,・jätin silmä näkevä.‹ – Vorbeirauschendes Unrecht und Übel, Zeugen sich lösender Ichheit, frißt sich ein in ihr Einauge.

Das also mußten die Goldenen Niederländer gemeint haben – eine unverderbliche Ölfarbe dem grauen Kuckuckskleid zugegen. – ›Akka mannul alimmaisel,・möyri tuhkat tuliset.‹ - ›Läikkeet saarnen harmaantuneen,・Louhen silmä väkevä.‹ – Was ist zu spät? was zu früh vor der schwarzmondigen Sichel; wenn die Geburt bereits gestürzt, der Stein dem Grab entrollt und das Meisterpaar den Gaunnen zugeflohen.

Alles geht nunmehr rechtzeitig, da der Mulziber den Brand gelöscht hat; und ein Pflüger kommt endlich! – ›Sepän ahjost aura vuoren・ikihehku pohjoisen.‹ - ›Loitse säihke taivahalle,・ukkoslintu matkalleen!‹ – Ein mühsel’ger Sämann und gestrenger Wagner unter Aquilon.

 


LIX. ›Hailja ƿaltja hryŋ jol.‹ – Heller Lenz brodelt heut’ unterm Mühlrade, und kein einzig Tröpfchen will die Speichen zählen. Von Schaufeln und weiterem Werkzeug kann ja die Nabe nun nichts wissen. – ›Wie weise doch die Tochter! – sie schöpft vom Rade hell.‹ - ›Wie schwärmen da ihre Bienen! – sie glüht am Rade hell.‹ – Den Rüssel voll Met und den Stachel in der Achse, drillt Unsere Freye all lastendes Erschulden auf. Wohin nur mit den Funken, zu spät für die Lohen! wieviele Silberlinge mochten wir leisten für einen unversehenen Aufblick zum Erlöser? – ›Arlan purbyn tan jol.‹ - ›Gylði lyss ermn run.‹ – All diese aasigen Vergehen am Heidenröslein wiegen zu schwer, weil zwar verstanden und gesühnt, jedoch nicht gehört. Und weit über den Gezeiten vergrub der Erstling, jener ungesäte Vorgott, seine Lenden unter der Arche; da schuf er sich den bitter’n Phönixsaphir. – ›Wie golden rein, die verborgene Lilie.‹ - ›Catharina, empor dein Schwert!‹ – »Alpah: hjørras!«

 

LX. Ja dieser Ruf war solchergestalt anmutig, daß der Weiherspiegel nicht umhinkam sich wieder zum Allrund zu bauchen, die mürbe Erdeneihaut zu umarmen und mit Küssen zu netzen. Die Segel glauben, voneinander zu scheiden, obwohl die Stander sich nach drei Hundstagen noch erspähen: was ist das für ein entbehrlich Mißtrauen?

Mein Holdes, nein, ich will Dich nimmer besitzen! – entschlingen wir deshalb unsere beiden Wegraine und weihen sie dem geheiligten Osterhimmel. Meine siriusferne See im Froschauge, Du meine blaublütige Laichkugel in der Monstranz aus Schilf. Dreimal also nannte ich Dich meine Erlöserin; und Du bist zu solch klarem Sand gewandelt worden, daß in dem Weltenstundenglase kein Rinnsal und kein Schicksal mehr zu schauen war. Keine Nachtigall kennt sich mehr bei ihrem allerletzten Morgengesange, der jeden Lebenslohn zuinnerst übersteigt. Und diesen Namen unermeßlich wird von jetzt an niemand je heraushören.

 


LXI. Darum hatte mein Gemüt vor Angst, sein Haupt zu erkennen, das violett verhehlte Kybalion aus der Hölle verbannt. Wenn jedwede reine Tinktur am Erdenabend zu dem Urblut wird, wittern all diese Untergötter den Unrat ihrer abzutretenden Seelenfron. Hienieden dann sind die Siegerherrschaften am Zuge, die den Engelsgeist nicht bloß verkünden, vielmehr ihn mitfreudig bekennen. Nach droben steigen die verlähmten Rösser, die geheilten, mit den Gischtkronen, werden da liebkosen die Haferrispen in unseren schlichten Heimställen.

Das urwunde Wasser der Lanze umström’ meinen heißersehnten Zwilling. – Gewiß ist es eben nicht die Zeit, die abgelebten Sunde und Straßen aber und abermalig zu befahren. Es ist die aufragende Stunde meiner ungezählten Gänseschwärme und Meteore.

 

LXII. Ich Umarmer der Geschichte kann es nie sein, das der Zukunft diese falsche Heiligkeit abnötigt; es sind die maßlosen Zeitmörder unter den Kriegsscharen. Jene Leugner der Ewigkeit, welche die wahrhaftige Weise aus dem Kindergesicht zu tilgen suchen, das Schweigen zum Denkmal machen, gleichwie für ihr Alles oder Nichts.

Am lodernden Hellrad die Baste noch haften, unsere festen Lehrpfade zu mündiger Wehr und der Geisteswacht. In den Apfelgehäusen liegen jetzt wieder Kerne, und Regenwolken folgen den Blitzen nach, wenn die Jungfern es der Braut flüstern: Wohl vollbracht, die Giftnatter geschluckt, als wär’s der lieblichste Met, recht getan, Kimbertochter!
Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden gewandelt bei der künftigen Statt bleiben. Der letzterstliche Sieg wird der Frieden sein.

 


LXIII. Cassian brachte den heiligsten Bruststern in das gelobte Land der Gottesanbeterin. Gersende sandte ihr Immenblut zu dem Siegheiligen, weil Immanuel aller Erdenvölker Leid zu erheben gedachte. Da wurd’ es dem Marktschreier Saul auf einmal heiser; die faulen Verdienste sind gänzlich erschöpft.

Befriedet können wir unfreiwillige Martyrer sein, während des verheerenden Brandes der Notre Dame hat sich der übel Rest von Narziß an der Dornenkrone zerschlissen! Hat Bartholomäus seine Schwanenhaut über die schändliche Sarazenin und ihre Scham gebreitet!

Gesundet schauen die Zermürbten an Christianopolis: sie fanden die Palme, das wahre Allod des Freyen Tags! gepflanzt beim Turme von Bryss. In Thule fanden Wir Wiedergebor’nen das Haar der Berenike, wie es salbt den Stab des Gemahls.

 

 

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Δ

LXIV. Auf gingen hier die Tore zur ewigen Stadt, und breiten die Delten sich für jeden wiederbeströmten Fluß: ein echtes Willenslicht kam vom Himmel, dem Unheiland zuwider. Es drängen die hellen Knappen zu beiden Flanken unserer Schwarzen Gleve. Ein Stich nur entfernt, wuchtig dem Traum entgegengesetzt, bis daß die Blase das wiederversöhnte Volk freigibt. Kommt, laßt uns Jenseitige sein gewisses Gemüt weiter befeuern und beseligen. Barst erst gestern nicht die Erntekiepe der geraubten Mühsal, stürzte der schiefe Erlöser in die eigene Kelter? Gab nicht der Wallfahrer her das vereiste Abendbrot an die Basilika der Erde. Ja, fürwahr es ist der Heilig Geist und seitdem einzig dieser, den uns’re Recevresse beherbergt.

 

LXV. Genutet mit Krallen aus Alabaster fügt sich mein Pyramidion an das Vierkant des allerersten Schicksals. Gar überglättet haben drei Pfotenballen den Spiegelwandel Platons zu lauter, lauter Nichts. Mein kniefäll’ger Baugeselle, so übergib mir schleunig die Ultima Materia, bevor du ganz vom Fleische fällst! Du dachtest, Dein Eid gälte auf Mich, die Säule, nein, über dem Köpfchen der Rosenblutmagd wartet die vergessene Hostie! – Sie ist das Rauchfaß und die Kette am silbernen Rätsel, das gelöst ward, das Schiffchen und die verzückte ölige Hennasträhne, die nie geschnitten, und der Heimathafen von Akkon. – Deine faunische Tertiarin, wie sie vor dir giert, oh wie sie tränt aus dir, mein Bursch’, das Phi mal Pi durch Euer beiden zwei! Ein blankes Pentagon auf Wiesen, ein Turmalin im Walde: höchste Achtung möchte sie Dir zollen.

 


LXVI. Er trudelt herab, der silberne Schwanenflug mitsamt ihres Schildes von Astolat, sacht wie Eas Krippe, so erzählte man sich, am Mondhafen einmal landen würde.

Ein gerader Ritt führt zu Carlion nicht; dem ehernen Lichtbogen haben die Hufe wohl zu vertrau’n. Kupferne Sporne langen dem Hermes meisterlich, auf daß er’s schaffe, dem Blutmond zuvorzueilen. Sahst du denn nicht, wie Kadmon den Roten erst abstreifte und dann nieder zur Erde warf, bevor wir den Hermelin lohten? Wer mag jetzt den Mantel deiner abgelegten Jugend tragen, seit die königlichen Felder in den Falten brach liegen? Seit Enlil demutlos das Gotteswort alleinig dreht im Mund und den Betörten die Fetzen unseres Stiftszeltes feilbietet.
Da sind wir nicht verloren, zumal wir kennen das Bekenntnis Seines Zwillings: »Mein Herr und mein Brot!«

 

LXVII. Hierselbst sei der große Augenblick Gertrudens, daß blute die Traube Sein wundes Heil zu aller Ursach’ hin. Einen Schlund so erschöpfend wie der Vollmond macht sich Maia vor den sechs Schwestern. Des Durchlauchtigsten Name aber ist der Atlant, der dunkler als das Schwarz der blauen Nacht; jeden leisesten Hungerruf will er leiden, alle Riesen vermag er zu stillen. Daselbst haftet Ihm eine lindigste Farb’ an, zu zerstreuen die Übergrelle von dem umstritten Wahren sowie die endlosen Reihen des Sündenlichtes zu sondern. Löwensöhne wie Arkel entfliehen, entlieben, müssen enttrennen sich der Unzeit; die Goudreinette, die Allklare, wirft er heim zu Wurzeln des Abendsterns. Er labe die Achsenquelle des ruhevollen Einsiedlers zum finstergrünen Walde: Reinmundes niederkommen Bübelein vom Götterdreiberg. »Komm, mach diesen Born zum Sprunge –, in der brausenden Heilig Kammer laß salben soeben den Kegel auf Deinen Skythen Namen: ›Samuel ben Isa!‹«

 


LXVIII. Rosmarin bedeutet: Tau-Rho, Paulus von Theben: Rho-Tau; drei Hörnchen jagen um den Julfestbaum: in deren wirbelndem Schattenspiele wird das Zeichen siegen! Derart ritzte eine aschealte Dohle in den gräulichen Boden den letztendlichen Buchstaben über alle umfassenden Werke.

Hast du gut achtgegeben, kleine Wüstenmaus, im Sturm und dich an der hergewehten Spreu erwittert; daß du den Felsspalt auch wiederfändest, wo die Silberkörnchen noch liegen mögen? Nicht mehr lang wird Loreto wanken und wirklich ein letztes Mal setzen auf Muttergrund – ach, herrliche Eisesluft windeln unser allerliebstes Wickelkind! Schimmern wird der Stern in des Meistergestalters Born und geweinet tropfen über eine rote Strähne von der Tochter des Lichts. Ah, was wird dann Lusignan diese lieblichen Brautkammern feiern, wenn all die dunkeln Tannen, die einst grüne Palmen waren, mit ihrem Drachen nicht mehr in den fremden Schloßtrümmern kreißen! Notre Dame des Eaux, tu as réussi !

 

LXIX. Ei, Kind Gilgameschs Wagenrad kommt endlich zur Ruh’, da schau, unter der räumig Kuppel der elfenbeinern Methalle! Da, wo der Lidschelf von dem artrechten Paare bethront ist, wird den Amethysten auch die ungetrübte Minne erzeigt. Sie erbleichen mehr und mehr, die Nebensonnen jener bösen Farbe, und du Siegwärter seist ergriffen von des Serpentines unerhörtem Erlöserschrei: Tange me tandem.

Von Luft zu Wasser untersteigt die Ahle des Steinbocks das Eis über den allzu losen Bitterfischen. Jetzt tiefer in die Untiefe tauche, daß keiner mehr dich hake! Daß niemand dich frage nach dem Preise der Kollane zu dem ew’gen Friedegrund.

 


LXX. Da fiel Thyskon sohin in Mann ein; und unausgesetzt zum Tode hat er erweckt den Ynglinger. In Jericho fiel der Quruntul vor die Füße des Turmwächters, und – glauben wir’s? – der Mittwinter erhellte sich zum allerersten Male! Dann küßten sich ein letztes Mal die Gemini zur Scheidung aus dem kalten Limbus des Menschseins.

Von tausendundein Wiederschreibern achtet nur ein einziger die Eineindeutigkeit dieser wahren Werke: Denn ein geschaffenes Fleisch kann Ezechias nicht dem grenzenlosen Gottesopfer heimgeben.

Das bitt’re Salzmeer ward bis zu Tränen erweicht, die begannen freudig zu schimmern, als Gomer das Gericht vollendet hatte. Kraft und Vollmacht seiner festen Siegwartschaft.

 

 

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Ξ

LXXI. Das Gegensiegel erwartet die Narbe der Prägung, das Opfer seine Vollbringung, die Wahrheit die Tröstung. Betende Hände denken die Blutspur seiner Schritte nicht, löschen nur die wertlose Zeichnung des Untertanen.
Komm an meine Hand, Gerechtsam Kind, ich will dir reichen das gesalbte Schilfszepter, auszumessen den Hämequall.

Ganze Pfeilbündel tilgen die Qual der kleinen Therese vom Tiefen Steine. Sie zielen all’ lind, meine Wohlordnung zu durchstoßen, ohne den einen Mäanderfaden zu verletzen, der dir Hirten zukommt. Zugleich bist du ein Waldprinz, an die warm hauchenden Tannen der Halden lehnst du deine Knabenträume. Und strauchelest nicht in den Geröllgärten deiner Wolfsvettern, auf daß du das Nardenreis unbeschadet pflückest!

 

LXXII. Meide hier unten jene trüben Augenpaare, die den himmelblauen Leu von Juda verspotten. Nur glücklich war Egmonts Geist droben über den liebseligen Göttersternenfunken.
Ein gar versehrter Kalmus bei den Blutnelken liegt, wo ich hör’ rauschen den weiten Bruch meiner unendlichen Sühne. Kein and’rer als der Sproß Jesse war es, welcher die Leidenswaffen zum funkensprühenden Worte schliff. Er spricht es aus, so nardelind, das Urlicht aus seinem unbändigen Schlund: Ein Lichtchen für die große Not, das weiße Röschen rot – die werden die blanken Urkunden. Die seien gezeichnet von der Lilie der schattigen Täler, mit Tinte der alten Zisterne unlöschbar.

 


LXXIII. Aller Jammer ist verklungen und des Hinschieds Beinhaus bricht. Die drei Spelze scheiden vom erdachten Körper, doch grad’ der Leib bleibt. Keine Zehennägel mehr finden die Zwerge bei den Riesen zu knabbern. Auf schnellte die Uhr und schleuderte den schadhaften Kuckuck auf den Reisighaufen. Solch ein dornig’s Todschrecknis selbst für das demanten Rückgrat der Sonne! – Recht und wahrlich getrunken, Unser Edel Heidenreis, aus dem tief matten Born deines heimgesunken Kraters. Wann mag es sein, daß sich das immergrüne Eibenkreuz zu deiner Schläfe neige?

 

LXXIV. Hrih heißt der Keim meiner Glückslinie der verblichen Hand, ein glutvoll Leuchtfeuer für mein Verbleiben. Den großen Odembogen zwischen den Welten zieht die Akka von Adam zu Qayn; den Furchenrain sie scharrte. Wo die Mohnhäupter nach der Gerste streuen, blinzt und reibt sich die Augen die entschlaf ’ne Theude. Sie hat den Most vergärt und endlich überstiegen den taumeligen Saturnring ihrer trüben Krasis.

Mit welchem Fadenbruch der Zeit wird die Reine Berthe den Spindelgang bremsen und das zagende Volk preisgeben?

Am staden Weiherufer pack’ ich meine Laichkugel fest als einen kühlen Schneeball. Weil das sei mir wieder Geburt genug für meine allerletzte Art, E Vam!

 

29. Juli

 

28. August

 

26. September 

 

 

 



Ν

 

26. Oktober

 

24. November

 

24. Dezember

 

22. Januar 2027 (198 a.L.)

 

21. Februar

 

22. März

 

21. April


Β

 

20. Mai

 

19. Juni

 

18. Juli

 

17. August

 

16. September

 

15. Oktober

 

14. November


Γ

Drâconis

 

13. Dezember 198 a.L. (2027)

 

All untreuer Stoff birst, wenn wirkliches Herze tönt und überdauert, unerschütterlich einklingt in unsere Schöpfung. Nah der Sonne und der Zeit tanze da der Mensch in seinem Heiligtum: unterm Baume den Reigen seiner Engel. Kein einziger Schatten eil’ ihm voraus, weil Ruhe Gottes dem linden Blatte innewohnt. Dies weiche Wurzelholz, das grünt vom Grunde her ganz unvermittelt und gibt sich einfach so, daß eig’nem Wirken es entsinkt. Mit hoher Elle vom Himmel hat sich die Jägerin gegürtet. Ihr hellster Ruf durchdringt alles Schöne, ihre Füße finden die Pfade zum Ziel und ihre Beute ist die Würde des Anfangs. Hier beginnt des Kindes Freiheit unter den leisen Sohlen der Huld.

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