Die Offenbarung
von
»Befiehl den Priestern,
welche die Zeugnislade tragen,
nun aus dem Jordan
heraufzusteigen.«
Da gab Josua den Königen den Befehl:
»Steigt aus dem Jordan herauf!«
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Jos 4:16 SDTO
30. Juni 2026
I. Erstes Zeichen in der Asche: Welle über geringster Trägheit; es lodert mit Tat und Kraft des Gedankens, welcher den Wunsch zur Erfüllung bringt. Es unbändig höher ringt und steiler, das Adlerpaar, mit der Sehnsucht nach Freiheit, um Waldes Einsamkeit ihr Hoffnungsgrün noch stiller zu vertiefen. Um jenes herrliche Wild zu erspähen: aus dem Rudel der sieben heiligsten Ängste, das bangvollste zu erfreien.
Und verflochten mit dem Vlies der Sterne, die Blütenherzen der Kindeskinder, die Karfunkel der Unschuld –, geschaut wollen sie werden und ihre heilen Saaten wiedersehen. Die wahre Hoffnung spricht: »Wenn Unschuld verlangt sich rein zu waschen, hat schon sie die Furcht befleckt.« Die Hilflosigkeit, sie wütet zermürbt: »Warum nur kann ich die warmen Wangen meines Mündels nicht mehr liebkosen!«
Zwischen den beiden klagt die Mutter weh; doch aus ihrem Mut heraus schenkt sie der alten Feuerstätte frisch geschlag’nes Winterholz.
II. Oh, unsere Dame von der Helle! − wo sich dein Ohr uns inniglichst zuneigt, da beginnt zu atmen ein schweres Salz: uns zu schonen dein gleißender Himmel. Du linde Gnadenliebe und ihr alle von ihrem Strahl, deren Seelen noch wärmen wollen, durchdringt jene fahle Verwesung, erwidert der vermeß’nen Gewalt! Blinder Gewalt, welche ihre Quelle nicht mehr zu ahnen vermag: versagende Gewalt ohne Güte und ohne Mitgift; Schweigen, das letztendlich versiegen muß.
Wenn alles nur immer in Ohnmacht mündet, dann bleibt nichts als Verkümmerung. Oh bitte belebe! − nicht Verderben, nicht Krieg, den die Welt uns verführerisch anzubieten sucht, vielmehr erwecke das stille Gestirn deiner Wahrheit; so fein und wonniglich es glimmt. Im Barmen von all deiner Güte leuchtet’s daselbst, sich ureigenster Leib und zugleich der Schoß. Denn nur einem solchen werde die Frucht der Erlösung zuteil und nah zugewandt der Mund deiner quellenden Lippen.
III. Weder auf irdenen Füßen darf stehen unsere geheiligte Vorsehung noch auf erzenem Willen noch Glauben an göttliches Gebot. Und diese gebiete rein gar keine Gestalt, sondern Licht allein −, so überwältigend wahr, daß es mit jedem ungestalten Schatten vergehe.
Weil ein neuer Sinn hat sich bloßgestellt, ein goldenes Lid ist aufgeschlagen, ein Himmelsauge schaut das Heim: »Bin ich schon gestrandet, oder bin ich es noch nicht? − ›die mit dem Vliese unbeirrbar rudern, die werden es freilich wissen.
Die um das Lamm aber streiten und es andauernd schächten, sie schneiden ihr heiligstes Wunder; sie verdorren ohne zu sterben.‹« Der Tod der Vernunft schreit als Stille des reinen Herzens ... »Du Wiederkehr in unser’n Rosengarten, wie ein jeder Wächter nachts deinen Silberdämmer ersehnt!«
IV. Unendlich tief geht unser Schöpferodem auf freiesten Willen zurück und von jeher liegt er dem auferstand’nen Herzen ein. Darum warten wir nicht auf Erlösung, sondern bereiten das, was schwer wiegt, ohne je Leichtes zu fertigen.
Denn es schlägt ein Uferloses in uns ... trösten will es die Säume der Ahnung und alle Waisen erfüllen mit überreicher Kunde. Daß heil anlande, was auf Erdengemütern freudig gründet, und daß zielgewiß in See steche, was wach unter Sternen steuert. Das und nichts anderes wird unser Leben werden und zu dem Namen in unser’m Lichte.
So haben wir den sandigen Ton vernommen und unserem Glauben eine Feste zurückgegeben. Es empfang’ jungfräuliche Milde den ragenden Kiel von Gewißheit.
V. Gar böse sprengen wollte man ihn, den Grundstein und Anker, den wir einst warfen. Doch ist er überhaupt je zu lichten: der gütig Barmende, zu bergen aus Sumpf der Lügen, aus schwerem Sog von Unwahrheit?
Nein, dieser Eckstein, er lebt! seine tiefste Weihe; er eignet sich nicht für ein maßloses Fassen seines Winkels und füllt sich von jeher mit Dank und Demut. Kein Schwert schneid’t schärfer als die Kanten dieses Salzes und keine Welle flutet weiter als der Tränenstrom zu seiner Huld.
Die Bodenlosen jedoch irren dahin wie Schemen in ihrer verzweifelten Unruhe. Allein dieser Stein, welcher Grund und Schluß zugleich ist, verwehrt ihnen das Tor zu jeder möglichen Gegenwart. Wir Schöpfer hingegen öffnen seine ungezählten Pforten und sehen fürwahr! wer uns gewißlich empfangen mag.
VI. Mit der bloßen Luft sich stürzen vom Nestrand, das will das Falkenjunge jauchzend in das Sonnenei. Die Räume aufgefächert stürmen dem Unschuldsschrei entgegen; sie weh und wund die Seelenlabe tragen lassen an dem Dochte deines Gemüts.
Nur schlag doch wieder lauter! du Leises, so ströme von flammender Schwinge hin zu dem Flügelchen und heg es wie den Mond. Du bist doch der König! und nicht der Bote; der, welcher das brache Land auffaltet unter seiner Würde, und keineswegs den Gipfel erklimmen muß. So auch jener, welcher die Beute nach jähem Todesbisse treulich hingegeben im Mantel der Sterne birgt und ihr die Jugend wiedererstattet.
Alle Not am jüngsten Weltentage wirst du zur Freiheit entfesseln; wandeln auf Siegerstraße, die strahlende Ähren säumen wie Lanzen als Äste an deinem Baume. Und nimmer werden Zähren tropfen von den Hirtenstäben deiner Weisheit − »so flieg! denn ganz beherzt in die alte Sichel.«
VII. Streue Asche über den Wasserspiegel, und du schaust auf einmal die ach so alten Sterne im jüngsten Antlitz.
Soll es der warme Strahl von glühenden Wangen sein, der diese Galaxie wieder zu wirbeln anfache, oder ist es immer noch der gleißende Gedanke, ihrem Abgrund unterworfen zu bleiben?
Schlimm erst Jenes wird, das im Abfall von seinem Truge erstarrt, ermattet endlich zerschellt; jedoch lebendig! − harrt immer des Ursprungs: was rankt um die eigene Windung, sich richtet und klärt zu guter Letzt.
Ist denn das Hilfeflehen in dieser Bise noch nötig, dein Sehnen nach Landung, da du den quicken Segelbaum nun festhalten kannst? »Ja, ich werde heben dies Los, möcht’ umarmen den Bug meines neuen Schiffes im wallenden Tuche!« Am jüngsten Tage, zu früh’ster Stunde sei es, wenn sich dein Stab auf den Schäfermond zurückbiegt. Siehe, mein einzig Jericho, du hast einen Drachen gewonnen!
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VIII. Es fragte die Ohnmacht sich: ›Koste ich die Frucht vom Baum oder raube ihm damit ein Stück des Lebens?‹ Da erwiderte der Kern: »Begraben lieg’ ich in deiner Hoffnung und höre das Plätschern der Zisterne; und ich weiß, das ist mein Eigensinn.«
Eine Knospe erinnert den letzten Schnee; ihr heißgeliebter Kristall glaubt behalten zu werden, auch wenn der Reif auf dem Felde schon taut.
Nicht der Name des Flusses macht ihn zum ruhmwürdigen Strome, sondern allein der ungekannte Wassertropfen! Er kündet vom Krokus am Bachufer, dem Gold im Dotter, vom jungen Mark des unaufhaltsamen Lenzes. Unbändig eilt er zu seiner Vermählung mit den durstigen Himmelswurzeln, die da bald schütten und schießen werden Regen und Naß. Es taumelt vor Blüten die Farbe im Sieg: ›Groß, die Erde desjenigen Menschen, der jüngsthin auf mich gewartet hat.‹
IX. Vierzig Tage lang tönte sein steinernes Ohr vom Gesang des Brotes. Vierzig fahle Nächte zehrte er von seinem alten Herzen, ohne einen einzigen Schlag zu gewahren.
Eisern wiegt sich das Urteil über dem Spiegel, und kein Stern wagt es noch zu flimmern. Er sieht die wenigen Sendfeuer der Hirten erlöschen: zu traurig, wie sie von der anbrechenden Morgenröte nichts wissen.
Der Wüste zermahlene Poren erschaudern im langsamen Sterben der Starre; es ist ein Gerangel der letzten Träume. Und er fühlt sich umarmen sein hehres Schweigen. Wie ein Vater, der seinen verlorenen Sohn empfängt, wie die aufrechte Palme den Himmelstau.
X. Wer hat jenes unsichtbare Lid eines Kindes schon beseligt, noch bevor es aufschlägt, wer diese grünende Gemme dargereicht?
Die Sonne konnte es nicht sein, denn ihr war kein Mond zugegen, um betrachtet zu werden. War es der Sturm? − nein, auch dieser nicht; welcher zwar reißt an meinem Abendzelte, doch mein Pferd nur schwerlich an der Mähne zu führen weiß.
Wohin rollt jetzt der achtlos verworfene Dattelkern vom Vorwinter, an der Stufe der Alabastergruft vorbei, zu zorftem Fuße der königlichen Witwe, und weiter und tiefer? − Immer noch weht Trost um die Brust von Solomonia, sowie ihre sieben Söhne klagen: »Wir fühlen, Mutter, was Du weißt.« - »So seht, meine Kinder, ich reiche euch Unser leuchtend Orange aus den Armen von Kassiopeia. Damit jagt jetzt die matten Kutten des Todes! − wie sie vergehen und sich allesamt selbst tilgen.«
XI. Mein liebes Nachtmahl: ein Apfel, den ich in die Seide meines Herzens hülle, wird des Morgens am Sommerglanz aufbrechen. Mild wird dann der Kuß Elisabethens sein, wenn er senken wird den Balken im Auge, am Paradiestor wieder den Riegel ziehen. Über wird springen der jüngste Funke zum tollen Horn des Rammes und den gezierten Eingang erschließen. Herbei! mein zitternder Palmast, o fege! du witternder Boas, zermalme die unreinen Siegel zu lauter Donner.
Auf Moos gebettet noch liegt die Fontanelle: quellend harrt sie des gespitzten Pfeils ...
Und dieser Kristall trifft! − tosend schnellt er von der Sehne. Oh, hört! − mitten in jedes Stück Harm meines Zweifels.
XII. ›Arkas‹ heißt der Pfeil, den wir nimmer fehlen sollten, im Schoße der edlen Bärin.
Immer vergißt man auch Chrysaors Schwert zu preisen, wenn die tollen Wellen des Okeanos zu Flügeln werden: da er sein golden Schweigen aus der Scheide zu ziehen wahrlich weiß.
Niemals sind wir aus Eden bloß geflohen, denn wir wollten stets den Pfad der allguten Schlange einsehen. Und Scharon nimmt uns nun so heimlich auf in fruchtbare Täler; gerade weil wir Not überhaupt nicht verehren.
›Meine Tochter, Du Herz, Dir will ich reichen den ganzen Apfel zur Labung, damit ich einmal in Ewigkeiten als der Vater stürbe, der mit Deiner Erdenröte vermählt war. Dir soll ich sein Gesicht und alle Furten im Traum.‹ - »Also schneide, Chrysaor! das Silber Fafnirs und bringe Forsetis Zorn damit zur Wallung.«
XIII. Heiß war das Blut, wo es rann um das Linde Blatt; als Horn und Schilde ihm wuchsen zur Wappnung. Glühend ist der Geist und lärmend der Eifer mit dem Wurm, da ungestüm der Strom an seinem eig’nen Bette reißt.
Aug’ in Auge mit dem Krieger wiegt gleich mit Herz in seinem Herzen.
An Liliths scharfem Onyxbusen stößt sich die Angst in der Rippe Adams, wenn das Leben sich für den Tod zum Leben entscheidet, zur Freiheit vom Elend bittersten Schlammes: Von Schuppen und Panzer gehäutet dräut der König sich wieder zu entrollen aus vergifteter Ewigkeit. Er spitzt nur noch Gedanken, die schmerzlich eindringen; er trifft den Sinn, der sich der Wunde entzieht. Nicht die Zeit des Schwarmes ist es, sondern die des Fischers.
XIV. Zu kämmen hat der Himmel die Schwinge, zu fühlen die Schwere das Barmen, zu vollenden der Leichnam den Tod − keineswegs umgekehrt. Nicht Tinte allein strahlt die Bögen des Wortes, sondern mit Kiel und Fahne zusammen; wie Gischt die Welle führt, wie die Funken den Schöpfergeist.
Wer bloß seiner Wut untersteht, vom Richten rein nichts versteht; zwar kleid’t er das Recht in heiligste Linnen, doch redlicher trüge er dunkle Schuppen. Und klänge sein Schicksal dann ein in Bestimmung, so begegnete der Geweihte sich selbst: ein Blick auf das Neulicht über’m Nachtmeer.
Und da! war es auf einmal: das orangen Navette der Dame, wie lieblich stach es unser’n Augapfel; und wir seh’n Sie noch ankern am Herzen des Herrn.
›O sprich, mein Gemahl, nur ein Wort: was liest Du im dreifältigen Tropfen meiner Höhle?‹ - »Zwei Worte sind’s, o Königin: ›Freiheit‹ und ›Ebenbürtigkeit‹.«
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XV. Ein dreifältig Wallen ist’s, das: Lohe, Luft und Docht durchwandelt. Gott ohn’ Unterlaß so quillt aus des Gewölbes Born; und schafft uns die drei bunten Fensterlein.
›Umschlungen feste küssest Du mich, Materie! −, lieb trauest dem Unschein auf meiner Netzhaut, sodaß ich Deine schöne Erquickung gewahre.‹
Die Braut flüstert zu seinen Lenden: »Alle Kraft ist in Dir, mein Minniglicher; der Wunschgedanke dringt durch dieser Dunkelheit Gunst.« - ›Ach Holdseligste, ich erinner’ die Weise wieder; wie Du sacht das Harz auf Kohlen legtest und im blauen Rauche sangst vom Siebenstern ...‹ - »BRENDŌ ÐOMHYRR BARÂN BARÂN: BRENDÔ ǷENDJÛÞA HELÔH ...« - ›Es lichtet sich unser Dach, sieh, der Tag bricht schon an, träller fort, mein Herz! −; nichts möchte vergeudet sein bis zum Abend.‹
XVI. Ach, oh bitterste aller Stunden, da ihre Gebeine einst vom Stapel Minervens gelassen werden sollen. Sicher anzulanden am Stachel des Skorpionberges: an jenem Ziel des Schützen, das von einem einzigen Schwanenblick über Ysin getroffen ist: Wo Mohnröte klärt die Milch allen Seins: wo Schwärze abwetzt am bodenlosen Grund allen Werdens und sich häutet. Dies, die Sekunde der wahren Kraft: wie sie die Ohnmacht von Ilion abschält: wie der Jadesproß den Gletscher sprengt!
›Gib wohl acht, mein Aarenjunges im Trudelsturze −, mit dem edelsten von den drei Tropfen: dem nächtigen Spinell.
Auffangen werden ihn auch die drei samtenen Smaragdhügel und bewahren dein Volk vor dem Dämonenschlund der Geier. Denn du bist von jeher der feste Demant und die Ehre.‹
XVII. Vorbei an der allerletzten Bogenminute unsers verfehlten Niedergangs rast jener Haarstern noch immer gen Camelot. Wie freut es doch die Säule der Stärke, daß unbeschadet den Granatapfel die Ahnmutter bewahrt.
Aminadab darf setzen den Grundstein an die fünfte Kammer und sein Herz zufrieden legen. Ein letztes Mal hallt der Hammerschlag durch seine Pfortader; weithin schweigend sucht die Erbin die Kelterbecken anzufüllen. Alle Tropfen beben vor Entzücken und perlen von Jarets blühender Klingenspitze.
Auch die Hirten wollen wieder leise beten unter Aarons Ring und Stab. Mild wird abends der Ton auf summenden Lippen von Maiden, die wie im Schlafe Binsen flechten.
XVIII. Ein Born, aus dem bereits das Gift quillt, kann nimmer Verzweiflung tränen. Mercurium als die Währung für Erlösung?
Beileibe nicht, denn es sind salzige Wellen, die den edlen Bernstein anzuschwemmen wünschen. Und längst nicht haben alle Tropfen das Glück, wenigstens zu einem Korn zu werden unter der Sonne ihrer eigenen Wahrheit. Gefährdet wie fahrige Lügen zerschellen aber die Krabben in der Brandung; jene, die gestern noch quer zur abebbenden Gischt stolzierten.
Keineswegs will ich noch auf Springzeit warten, denn es ist Zeit. Überall seh’ ich treiben das magere Holz meiner Spanten.
XIX. Was ist, wenn nun Amalek die Arme ausbreitet und seine lohenden Haare in euer’n Traum sendet? Wenn der Ausgang aus ihm die einzig verbliebene Schläfenlocke auf dem Kissen ist, von dem Haupte, das euch das Tier so verführerisch strich: Ihr habt elendigst gemordet Gott; ihm jede Bedeutung genommen, alle Zukunft und Sehkraft.
Da ihr Gnome glaubt, daß seine Heilsgedanken erstickt hätten werden können, verzehrt nun selbst die Qual als euren eig’nen ekelhaften Abfeim! − Diese saturnischen Spinnen haben es fertiggebracht, den Leib der ganzen Schöpfung zutiefst zu kränken; kein Satan kann sich jetzt noch taubstellen.
Ja, dann würgt nur die lange erdachten Schlangenknoten; tanzt! zuvor auf Leichen, die wir nie sein werden, ob trotz eures Buchglaubens. Denn wenn uns’re Hände wieder sinken, rühren sie Flachsblüten und gold’ne Ähren.
XX. In Schechem erinnert sich ein Zweig an Dodona und läßt eine Eichel fallen: ein Blitz trifft lind den Stein von Tara. Es ist des Adlerkindes Zenons weichstes Händchen, dank welchem das junge Reis dem Schatten entkam, um nun auf Garizims lichter Ebene zu treiben.
›Du wirst als grüneste Krone über Samaria wachen, und nicht einmal mein Szepter wird an deines heranreichen.‹, hatte der königliche Knabe in sich vernommen, bevor er den Schößling freigab.
Da ächzte der Donner bei seiner Ankunft am Josephsfeld; auch keine Lust mehr find’t er am Brunnen. Rein nichts kann noch die Taube schrecken, wo ihr Girren blank den eis’gen Schacht hinabglitt. Mit halbem Köpfchen lugt sie zum Spiegel und hat dabei vergessen das stolze steile Dach. ›Du wirst deinen Stab dereinst anlehnen, um Unserer Dame die längste aller Weisen im Reiche zu spielen.‹
XXI. Es strömen herbei die Recken der Geschichte; sie sind gerüstet für die große Sühne, ihr Metall erglänzt in ungeheurer Not! Alle Jungfrauen im Reiche verbeißen sich ihre Lippen. Die lahmen Flüsse gewahren nicht, wie sie kaum zu Falle stürzen; noch glauben sie dröhnenden Mut zu sammeln. Kreischend aus fernsten Äonen fliegen Wyvern und Schwäne herbei; sie gebieten der neuen Ordnung Empfang. Die Ruderer aus dem Norden im Wettstreite mit dem Keil des himmlischen Schwunges: wie er aufreißt der Weltherrin Hülle!
Ein Machtwort der Freiheit tat dies. − Beim leis’ versunkenen Sange der Eule von Edom wird das Wunder gezeitigt.
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XXII. Kein Staub je drang durch zu haften an schwarzer Schwanenhaut, seit der Hundsstern seiner Ahnmutter folgt. Belinos kann jetzt nicht denken, ob Keiler oder Wolf in ihm keucht. Da vollmundiger Schaum um Lefzen und Gewaff erglänzt, entkommt die alte Zeit dem Scheitel ihrer Wende.
Laut schlägt das Rubinherz im Stauf zum hohen Palas; darum läßt sich in ganz Breizh kein Nonpere mehr finden, der noch Wein aufteilen kann. Wohl aber ziert sich eine bezopfte Maid nicht, die entglittene Schot unter diesem strengsten Blutweh von neuem an sich zu reißen. Jüngst ist es durchlitten: die trestige Welt zu Bries geronnen, der Planet geebnet und der Äther gelüftet; und wissen mag sie wieder: Immer war die Erde frei!
XXIII. Es muß erkannt werden: die Kerze des höchsten Gewissens, die den unmöglichen Brand der in Riff und Enge getriebenen Arche zündete. Sie selbst jedoch nur aushöhlt die Untiefen des Dämmers, bald dunkel sich neigt auf lahme Rabenflügel.
Wer kann es gesehen haben? − den Stock hatte sie mitverzehrt an der Reue vor dem großen Sündenfall. Innehaftend dem gebeugten Herrscherstabe sitzt das Schrecknis der Leere; und dabei blinzen schon die erwachenden Haine.
Welcher Abgrund gähnt ohnmächtig genug, um die letzten Tropfen Wachs aufzufangen?
Holde zu Garben faßt die gedrosch’nen Sternenhalme das Schlußlied der Nachtigall; denn sie ist es, die über allen Koren schmettert die inbrünstigste Vigil. Niemand weiß gerade mehr, ob Morgen- oder Abendrot: so einzig gewillt ist dieser purpurn’ Augenblick.
XXIV. Immer wenn Kyane die Gestrandeten des Nachtmeeres an ihre Mündung zieht, ersticken Weh und Klagen im Gurgeln des Anapoflusses. Verweslich zeigt sich alsdann Hylas’ stummes Gellen zum Mond, sowie die Verführerinnen ihn umschlängeln. Im Moor versenken sie sein Kreuzbein, zünden alle Dornen mit ihren Irrlichtern. Keinen flüchtigen Dunst verlangt diese Künne, sondern verzehrt sich nach einem gesalbten Qain. Zwar scheint der Leitstern verglüht und verwaist, doch zeitigt noch jeder Grassämling die verklung’nen Rinnsale. Wieder finden die betrübten Feldsteine warme Hände für die Gräber der Ehrreichen. Wenden nun darf sich der Taft zur Stickerei: »Alba!«
XXV. Bhumyr antwortet: »Ewig, dich Friedegrund, will ich die Hand freien und mit Gottes Klang in Höhen beringen, Elah! Noch gramvoll einst werd’ ich dich als mein Jüngstes aufbahren und wieder als mein Erstes selig windeln. Den allhohen Namen wird deine Amme dir erst dann wieder zu stillen geben, wenn du ganz vergessen bist. Und einen perligen Stern bette ich in deine Iris, damit all’ lärmende Hohlheit vor Anmut vergehe. So flieh nur, Sarah, weiter, immer tiefer mit der Schlange! − durch die Muscheltore, zu den Auen und dem Lamm. Dem steigenden Löwen dort bring die Otter! Am schäumend Gebraus erkühne, Io, diese allerreinste Labsal!«
XXVI. Jeh wägt den Tritt auf die Schilfbarke, da der reißende Strom nie trüber war als gerade jetzt. Alle Geister außer dem Wasser halten den Atem an. Ein Neulicht, wimpernfein wie von Jünglings Fingerkuppen, läßt schweben den alleinträchtigen Ton. Nie hat eine glüh’ndere Verheißung ebenso vom leisen Zünglein der Sumpfnatter geklungen.
Jeh der Bourbone hat wahrlich keinen Namen unter den Sonnengeschlechtern. Lumena, die Vollendete der Vestalinnen, schmückt sich für ihn und ihres Vaters ungeheure Mitgift.
Jehs Schritt wankt nicht im Übertritt.
XXVII. Sie knüpft eine Reuse aus Saiten: gefangen darin Verklungenheit selbst. Und windet sich vor dem Dauphin, flieht, die junge Hinde, vor dem Geröhr des alten Hauses Albon. Weil wehrend die eindringliche Absicht, splittert die Auster somit ergebenst! − Röte für Röte entschälend das Perlmutt, wie Wolken dem Himmel, labt sich die Kone am Jadeblau der ersten Nacht.
Drei satte Stränge hatten sich zum Zopf gewunden: der lange Gram, die weite Scham und ein unheilbar inneres Zerwürfnis ... Nun weiß sie nicht, wie schrei’n ihr Glück, die peitschende Zirbel; kreischt wildverzückt die hehre Ordnung an. Zu spät es ist, da jede Königslocke brennt wie Kien und alles Pech zu lichterloher Grüne!
XXVIII. An Mauer und Gewölb’ brauchen unsere Wanderer nicht den Schlaf herbeizusehnen, weil ein Schöpfer sie sprenkelte und kreuzte über getreuliche Rippen. Und eine hoffärtige Männin zu erschaffen haben wir keine Not, wo ein Busen stets an Kampfesbrust weilt; denn Kerben auf uns’rem Holze zählt die Huldvolle nicht. Und geschweige einzelne Farben aus dem Regenbogen, deren Eigen leer ist wie der Tropfen selbst.
›Wahre Wandelsterne seid Ihr: Kronjuwelen auf Mähnen und Aalstreifen von glücklichen Herden und Landstrichen. Ein träumend’ Bienenschwarm in wachsversiegeltem Baumstock bei seiner zorchten Gebieterin Freye. − Ein einziger Stich nur zwischen Eure silbernen Schwingen, und ihr Schwan erwacht! Am Herzen der karminrote Stachel gegen zehn wallende Drachen.‹
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XXIX. Man bläst ein wenig Glut voran zum Rand der Wahrheit: wie schnell sie doch wieder auskühlt? / ›Ich will im Mute die Weisheit kennen, deren Hort auf Fels gegründ’t.‹
Von Bord geradewegs ein Pferd zu besteigen heißt ins Land eingehen, ohne Gott zu verlassen. Dem Turm zu entfliehen als Falke, während man Gefangener bleibt; den Turm zu prellen als Sperber mit einer Rosine im Schnabel. Sich dem Verliese entwinden und alles zeitschwere Geschupp zum Geröll der Zukunft schleifen.
›Ich werd’ im Schweigen das Herz benennen, dessen Schrift seit je der Freispruch ist.‹
Schau da! sowie ich überblas’ die eherne Lure, öffnet der Sturm das Augenlid.
XXX. Wenn es Faramund ist, so ihr ihn erkennt: er zieht das Schwert aus dem Götterberg gen Orion! Auf einmal zuckt die Bärin im halben Schlaf; bald greinet sie für die Schuld des Sohns. Und niemand kann sich Argottas getrösten, der nicht ein lohen Herz von Schnee hat:
»O stürmt, ihr reinen Kristalle, die Säule hinan; so sprengt den Gürtel und peitschet Sirius, damit der Wagen vorankomme!« Mit sieben Ansen: die feurigen Sinne des Stiers, bahnt er sich Spur durchs Wassertor. ›Euer Speer sei mein Licht, und nicht eure Unzeit −, sei reife Ähre und Brot, braune Wolle von der Spindel meiner Geliebten‹, denkt Forseti in unser aller Gemüt: ›Wenn es Argotta ist unter der Rose, so ihr sie endlich wollt?‹
XXXI. Chrysaor belieh die Flügel des Schwarzen Adlers, um sie dem Pferd des Armen Hauses zu geben; das ist bis an diese Tage dem Weltentempel ein Gräuel. Und so quälen die Rachepriester fortan die leidgeprüfte Gorgo und suchen sie mit ihren listig erdachten Giften zu beschmieren.
Aber Pegasus ist in seinem Innern ein Löwe und anmutig landend wiederum das Lamm. Mag auch dieser Orlog die erhöhte Schlange noch so elendig quälen mit verkehrter Lanze; ihr heiliges Herz kann er nicht zerstören, weil der Kelch von Anxanum ewig bestehen wird! Und könnten noch die Rinnsale des Todes ach so schwer in die allerengsten Fugen des Endgesetzes kriechen: Ringsherum und darunter die Erdensäule schweigt alleinig. Sie trägt den Kienapfel der Auferstehung.
XXXII. Der Leib der Braut ist Tau vom Reif der Nacht, geweckt im Augenblick des Schmelzes.
Die neugebor’ne Tauperle wird Unheiliges nicht mehr dulden; also muß Abel verdunsten. Durch weite Königsfluren hindurch bemaß Luluwas Auge die rechtmäßigen Schritte des allerersten Gottessohns. Eichen ist ebenso Danus Harfensteg, unnachgiebig wie der Prall des Widders, ihr Sprung nach Tara. Und wenn es gewißlich Tuirenn ist, der da die Gräser zupft, so beginnen die Schneeflocken zu weinen.
Im Süden die schlanken Ruderer haben genauso wenig Eifer, die jungvermählte Buzentaurin durch das schmale Tor ins Atrium zu tragen. Freies Geleit für den unversehrlichen Apfel der Reue, jedoch nimmer fürs abgebiß’ne Stück.
XXXIII. Dreiunddreißig Pyramidenstufen hast du geschliffen zum matten Spekulum und an jeder einzelnen die Abalone zu rühren verfehlt. Weil Orande dich nun anstelle des Decksteines besetzt, wirkt der neue Sklave in deinem Spiegel recht befremdlich. Erzene Wuhren schientest du von den Mandelkernen geradewegs zum Brautgemach. Überhaupt keinen Trost sollte der enttäuschte Heilsgedanke dort finden, der nun lernt, daß Trauer der gründlichste Weg zum Vertrauen ist.
Bevor die Eichel wieder aufplatzt im Regen, lege sie auf das Widderkapitell und singe mutig unser’n Helka-Vers an diesen letzten schönen Hügel: »Neito nuori, noita! Jumaloihiin puhtaisiin.« - ›Reine und Dirne, Maid und Glut, göttlich sind deine Wiesen, o Du Grüne, knospe neu auf!‹
XXXIV. Oh gib mir Ruh’, mein Schöpfer, gestalte meine Glieder, solang du nur roten Lehm nimmst von Edom.
Lehm vom Löwen, Purpur vom Stier, eine Feder vom Adler, die streiche mein schütter Haar. Die zage nicht zu landen an den azurnen Ufern des Aragón, wie ehedem die Glückshauben auf den Eichen der Infanten.
Ich dau’re nicht Dezima, die das Parzengarn bemißt, und suche nicht im Innern nach dem Anfang der Spindel. Gleichwohl über Brachen laß ich die alten Weben spinnen, damit in langen Ellen blau dein Weinherbst glänze.
Oh halte bloß fern von mir die rasende Zehr dieser Binden und tausche gegen jungen Flaum des Phönix. Lieber eintausend Zeitalter tief begraben als einmal durch eine eisige Rechte verbrannt.
XXXV. Allerheftigst soll der Körner der Irminsul aufschlagen am sturen Stahl des Seins, sodaß der Geist den Raum wieder ordne. Dank Atte daselbst das Gefieder der brausenden Aramwinde gestreckt, wachst spät erst auf, wenn lange schon mild es regnet. Und fragst bei dir: wer gab dem Knochen das Blut, dem Mark die Wärme, der Helle das Licht? Und spürst die siebenmal versiegelte Wonne an der Welketracht deiner Milz.
Ohnedem flicht diese lindeste der Sonnen ihre Wegzweige zu den unversehrlichen Oasen der Klarheit. Gar offen stehen die Schleusen der Wolken; sie speisen jeden Muttermund mit Spitzen von Ysop. Wer Silber und Aram gleichermaßen innehat, der wird jedennoch Blei und Tod erquicken.
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Kapitel THETA herunterladen
XXXVI. Ein Faden nur und zwei Fuß weit mißt der Sprung über die Prielschlinge des Dreibergs. Abgeschnürt vom Weltentriebe krümmt Aeneas sich zum Delphin; so lauschet seinem Verhallen leis’, wie er dem achtwandigen Gedankenlabyrinth entsteigt. Den dreizehnten Stern sendet Thisbe Pyramus durch die enge Fuge: ›So seht es nicht, was ihr seht!‹ - »Wir sehen gern den Vogelherd offen, die venussüßen Morgengaben tropfen entlang des Saums Eurer beider Bettleite.«
Auf und unter striegeln die einundzwanzig ungestümen Finnen der Heimführer die Meereshaut, bis sich das heiligste Muster abhebt: Es sei ein Kranz aus nächtlich geschnittenen Lilien, der lau auf die dreiunddreißigste Stufe gelegt. Am fehlenden Deckstein für Adaniya.
XXXVII. Alle verlieh’nen Preise sind unbezahlbar wie die zahllosen kleinen Lügen aus Tarsus. Der den hochfreien Lichtnamen nicht verträgt, kann schwerlich an Nardenöl glänzen. Für welchen Abgottsleichnam hat man anheischig sich befleißigt, den Globus zur Erde zu machen, Sonne und Mond zu verklumpen und eine schwindelige Mückenplage auf die Allkreise zu setzen? Für die huschende Eidechs unter der Weinernte bestimmt nicht; in deren Himmelsäuglein nächtens das Siebengestirn aufglüht.
Lackweiß aber gleißt die Milchstraße am mattfinster’n Blick der Richter über All und Nichts. Jene weißen Katzenjunge, die damals in Elne tot von der Klosterwand fielen, man bete, daß sie zur Alabastersonne heimfinden. Den Vorabend der dürftigen Salbung des Diebs erlebten sie jedenfalls nicht mehr.
XXXVIII. Morgenerst ist Morgenletzt, sobald es Hestia dämmert, ihren Herd wieder anzuschüren. Urplötzlich siehst du den Speer ratzen die schale Glut, mit dem Stirnzeichen der Friedlosigkeit.
Dagegen möcht’ erröten der Weinstock im Opferkrater. Ihr sirrend Mondohr im Bauche offen, saugt die durstige Gottesanbeterin das Venusauge minniglich ein: ›E Nòstra Dompna que passarà ...‹ – Sie sei der hoch zorchtel’ Tran vom Borne Libras, sowohl in Aurengias Alabastron wie gleichsam auf Jacchus’ weinreinem Spiegel. Sie ist die Beichte des klaren Sehnens und gleichsam der quicke Trost.
Immer minder findest du dich bemüßigt zu trauen dem fallenden Irrstern: ›prendrà d’aigua senhada: a, e, i, ò, u.‹ – Weil auch du hast süß geblutet mit der Silbermündung zu dem Sonnenmeer.
XXXIX. Unvermeßlich ragt der Spriet über den schlichten Bug und malt die Krull seines Sehnens. Fußhalt finden auch all’ armen Seelen bei der Sternenspur dieses grünen Weintriebs. Und das Mutterkorn unbewegt, steil wie die Barbe vom Belberg, wenn der Widersacher die Butzen aus Waldglas einschlägt.
»Mach uns nimmer los von diesem orangen Korallengarten, mein Aberamentho!«, so schallern die Nonnen Garsendens. Der Herr der Wasser: »Berührt mich nicht bloß mit eurer Gischt, sprecht mein Allwort doch, das ihr kennt, das tief getröstliche.« - »Trunken von Gotteslust und Weisheit bereiten wir den Nachhauseweg. Wie leewärts unser Streicheln am Geschmeide der Geburt, der Myrrhedunst aus Wonnesang so hellicht.«
XL. »So unser Lied dagegen blendend, schneid’ die Luv die Nebel und gebe das Eiland frei.« - »Wir sind noch Jungmänner! – stumpf unsere kleinen Spaten –, wohl wissen den einstig überlieferten Reigen zu tanzen.« - „Alt genug, ihr greisen Griebsche, um euch vom Pfahl loszumachen, kommt schon, jede von uns Dirnen räumt einen aus!« - »Uns stark ergeben erst dem Lenze,・da selbst im Dickicht Flocken blüh’n:・zu ›Floret Sylva!‹ alle Tänze・sind einzig unser Heilsbemüh’n.« - »›Ein Sommerkind, das will ich haben!‹,・laß doch die Brustplatte dem Frost;・geweihet sind die reinen Gaben・durch Odem hoher Sternenkost.« - ›Ein Altvater, der in uns wohnt,・und euer Reißen bald belohnt,・mögt ihr doch langsam lieben.‹ - »Zu fest der Reim, der in uns dringt,・dem Apfel seine Röte bringt:・›Ach, ah!‹«
XLI. »Ein Recht: als Marschälle wir reiten,・der Eichen Säule treu entgegen;・zur Spitze unser Fuß will schreiten,・der Lanze unumkehrbar Segen!« - ›Geweiht zu Linden zorcht,・gelebt die Liebe übers Sterben・hinaus, was wir erhorcht・im Tode haben, noch zu erben;・sind die reinen Eleusinen,・sinnen nach dem Grünen Berg,・sind die armsel’gen Beginen,・schüren Morta ihren Herd.‹ - ›Zur Liebe wissen wir zu zwingen,・und doch erreichen’s hier mitnichten,・die Ahnung von dem Schoß besingen,・der unser’n Samen wird errichten;・ihr seid so schön, so recht und wahr,・daß Pergamente möchten zittern,・wenn eure Noten gläsern klar・wir feinst in diesem Dufte wittern!‹ - »Drum, Nymphen! laßt uns mehr als denken,・netzen ihren Weihestein・und salben und ganz schamhaft schenken・aus dem Krater unser’n Wein.« - ›Brot des Lebens werdet ihr,・zu Anschau unrührbarer Huld;・Kreuz und Ring der Flaggenzier・rütteln scharf: Deus lo vult!‹ - »Zu Schlachten reichen nimmer Blut! –・es ist Gräuel uns elendig;・aus Kelchen vier die Pauli Brut,・wir begießen sie lebendig;・dem Rosentau Oseneth heißt:・das Insigne aller Meere,・zu branden an dem Künnekreis・und geleiten eure Heere!« - »Asen sind wir, sehen’s klar,・dienen Johazef dem Gar,・dem Justino und Gewissen・Turm das höchste Segel hissen:・EARLACH BEON MÊRY!«
XLII. Die ganze Apfelinsel steht in Blüten für den andonnernden Pyrit. Nach all dem Minneleiche gibt es nichts mehr zu bestimmen, was indes, da Silberreiher seine Bahn verhießen, nicht schon eingerichtet war.
An Lichtmeß waren es die Bachsteine, die mit Eisglocken spielten, jene wolligen Vliese, die den müden Hirten trieben zur leisen Freude seines Traums. Alle Karfunkelseelen liegen zum Advent auf Stroh gebettet. Der Urahnen Bergklüfte runzeln die Stirn des unheimlichen Albgesichts, als just der Pyrit die Eihaut durchstach. Der Pyrit sonder Sünde vollendet den Irrsinn des siechen Mannmenschen. Alle die unter dem Dunst von Abel dachten, sein Wyvernschnabel pickte von außen.
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XLIII. Aretino ist müde gestimmt von dem schrägen Kammerton; doch seid unbesorgt, er wird nicht einschlummern. Ohrmuschel aus Pechstein und Lavamund rinnen heißkalt ineinander zu dem neuen Blute. Am Vorabend der Ergebung die allerfeinsten Staubfäden des Herzens suchen den Becherrand zu erklimmen. Indes dies Gefäß im freien Falle befindlich, ist gleichsam sein Schweben so unmäßig ausgemacht, wie der Aufprall erscheint. Denn seliges Glas nicht birst, und brumme es noch so tobsüchtig, in der Anderswelt der Erwachten. Und die Köhler vom Marswald erinnern den Volksvater ganz federleicht in ihren allklaren Albenträumen.
Mein guter Gefährte Warnefried, wie lang mag schon Dein Bart jetzt messen?!
XLIV. Auch Hnæf dämmert im Schlafe der Gerechten; was wir Gelangweilten nicht sehen: Zarduneas schwarzer Kußmund saugt an seinen Lippen weich ... Wollen längstens vor Abgunst hatte der Chor den Bocksgesang brechen, Apsiden und Muscheln öffnen; würfeln die Bausteine zu dem vorsintflutlichen Ringe, um sie für immer den Bergflechten anheimzugeben. Seit eingeschrieben rot in die Haken des Peutingerschen Itinerars, von Trapezunt bis Pyrene, von Aglarn bis Albion, schleifen Donnerhufe wie Feentanz am heiligen Epos der Danu ... Was wir Mutlosen nicht hören: das göttlich Raunen Crommens an Emmas gesegnetem Kreuzbein. Was für einen Papst das Pallium, ist für einen Druiden ihre seidige Fruchthaut; und kein Zenturio darf die Wahrheit seines Scharlachs tünchen.
Schäumende Unwucht umtost das Immenmeer eines Wolfes, und Berg Meru läutet seine Erleuchteten auf die vier rettenden Brückenstege zur Nachwelt. Wen wir Duldsamen willkommen heißen: es ist unser tausend Jahre lang ersehnter Götti Friso, welcher heimkehrt von dem fernen Lande der Fünf Wasser.
XLV. Melusine erblickt den Steinbock, Aug’ in Aug’ im Spring ihrer berückenden Kindsnot. Ganze vierundzwanzigtausend Jahr’ Sand strudelt ein träges Erdenkorn, bis sich ein Himmelkaiser zur Wiedererstehung aufmacht. Das heißt bis alle fahrigen Meerweiber den sommerheißen Hylas zum Rückschritt in den Krebs hinunterziehen konnten. – Verhornte Flossen wurden nun schmiegsam, schwärzlich ringeln bereits um Aries’ gebieterische Sporen. Freierin Libra, du wissest doch die großmächtige Wolke der Kentauren zu stechen, die betrügliche Zeitwelt für ganz zu wenden! - Gar hoch strebt meine Carnyx ihrer Kostjungfer zu. Bloß ein einziges Stück Kien dir, Hel-Hund! und der ewig lächelnde Allfriede wird endlich so leis wie dein Lechzer am Ende laut.
XLVI. Die Einfalt des Jochs liegt um das Tier, indes die elende Lügenkette des Menschen die Flunken der Wahrheit bei Ebbe emporhält. Wieviel Talent Tränen kostet es Sagittaria, daß sie die Zunge vom Gaumen löse? Wieviele Bissen Glauben hat sie noch hinunterzuwürgen, daß der Gebirgsstock der halbewigen Weltbangnis zersetzt werde? Denn argwöhnisch bleibt der unsichtbare Bruder gegen den Magyaren, den hochgradigen Pyrit, und gegen die Kartuschenschreiber dieser gequälten Skorpionin.
Ein Hahnenschrei! – die jüngste Morgenperl’ im Aufgang: das eine Lebensbuch.
Rate, der erweichte Stachel hängt dem Hirne bloß an: weitere eintausendelf Zeitalter im blutigen Schatten von Tarpeia ... Nun denk einmal an, viel schwerer zu steigen tut unser Draggen also Not.
XLVII. Auch die letzte der Gipfeltreppen nahm der Lohenstein auf seinem Abritt zur Bürde der Liebe. Vergönnet ward seinem spiegelgleichen Herzen, zu lesen das unverdorbene Keilzeichen von der Uferweide. Je eine Zibbe an Milz und Leber geschmiegt erreicht er die Hürde aus gläsernen Reisern; darin er sie hegen möchte bis zur Schur der grünen Endzeit.
Zwar bersten die Scheiben gefährlich nah bei selig Antons Schmunzeln, gleichwohl dies kein Schadbild ist für den Nebel am Hohen Forst, und auch nicht abträglich der schönen Rosenhagfidel. Fruchtlos schleift sich die rostige Falschzeit daran ab, Perlmutt aus der Salbkanne zu pressen, welches ja alleinig Linden und Stechpalmen zusammen gehören wird. Niemand außer uns Zweien eins, mein Engel vom Feigenmeer, werde mit dieser Woge der Macht und treffe haarscharf die Brauen des Wunders! – Diesen Pfeil ließ Artio im Walde Rheas zu Aeneas schnellen, noch ehe die ersten Scherben zaubrisch gewandelt zu einer Silbertraufe den dunklen Boden küßten.
XLVIII. Während die Steiger längst die Lehnen des Heunenbergs erklommen haben, stürzt sich nun sattsam die Schweineherde in das Gehänge der Zeit. Zum mindesten verstehen jene Mißgeburten bis anhin zu sterben. – Friedheilig und samt einig hingegen sprechen sich die Heiden los von dem verderbten Birkenmanna.
In des Zadoken Notschrei einen wir den geteilten Tempelvorhang, und die Kristallsplitter, in Josephs Myrtesang des ersten Kindsbades. Fernhin zu Angellandens großem Taukreuz traben nun die bekümmerten Ritterwitwen; sie wissen im Herzen, daß sie Ringelheim niemals verlassen werden. Oh, das Holz und Tau! – wir gefall’nen Jüten durchqueren die Marchen, unbeirrt bringen die Salme heim nach Dan – o Alba, ah! Zwei duftend Weizenlaibe werden es sein, die im Zelte die Linnen schmücken.
XLIX. Vernehmen wir eine Fidel lind, sehen wir den Kalbjährling brennen, duftet eine Phiole in der Hand des Herren Merodach? Wir wissen bestimmt, Ihr seid der rote Atys im Morgenletzt, der trunkene Hirsch in Herot, die verflossene Weile der Liebesweise. Du lebtest immer, unser Adon! – jählings dein Blitz durchs Ablicht der versteinerten Erwartung, karmelsüß dein Bild im Segeltuch, und zu Rosen wurden deine Wunden am Sidarbaum. Das feine Veilchen blüh’ dir zu Rebwurzeln, die hinwieder bluten und münden friedselig in den karminroten Stern der Belche.
Immer noch ist die Hirtennacht, und nicht der Herde Weidetag; die Wacht der Turmgebor’nen, nicht das Blindsein der unschuldigen Fische. Wie mich dürstet nach dem Tau von der Knospe, nach Blumenbächen, Blütenfluten ... buchstäblich rinne ich das Schwert der Lilie hinab. Bin Getröstung und Salbe auf Tanits gesengten Friedgärten.
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